Portrait

Peter Lanker

An Alzheimer erkrankt

Ich mache Sudoku. Täglich. Das Rätselspiel ist Gehirntraining und Zeitvertreib. Seit ich vor zwei Jahren aufgrund meiner Krankheit vom Arbeitsprozess aussortiert worden bin, habe ich viel davon: freie Zeit. Was fange ich damit an? Was kann ich noch unternehmen? Die Frage nach den Möglichkeiten ist eine ganz zentrale.

Mit 62 habe ich die Diagnose erhalten. Alzheimer. Das dürfen alle wissen, da mach ich kein Geheimnis draus. Jetzt bin ich 65. Sich zu hintersinnen, weshalb, warum, wieso – das bringt nichts. Ist auch nicht meine Art. Ich akzeptiere mein Schicksal und versuche, das Beste daraus zu machen.

Am Morgen, bevor ich aufstehe, schaue ich immer in mein Notizbüchlein. Dort habe ich eingetragen, was tagsüber auf dem Programm steht. Und meine Frau macht mir Zettelchen mit Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Ohne das ginge es nicht. Die Vergesslichkeit schreitet voran. Weniger, was die Vergangenheit anbelangt, mehr, wenn es um das Morgen geht. Die Zukunft. Was wird in einem halben Jahr sein? Ich weiss es nicht und will auch nicht daran denken. Mein Leben findet jetzt statt. Also unternehmen wir so viel wie möglich. Reisen, Velo fahren, das Jodeln gibt mir viel.

Was mich am meisten beschäftigt? Das Aussortiert sein. Keine sinnvolle Aufgabe mehr zu haben, von der die Gesellschaft profitieren kann. Ich würde viel lieber für einen Bauern oder den Förster im Wald Holz hacken, als zu Hause zu sitzen und Sudoku zu spielen.

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Ich kommuniziere meine Demenz‬ offen.

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