Es gibt Demenzkranke, die werden aggressiv, wenn sie merken, dass vieles nicht mehr so funktioniert, wie sie es gewohnt sind. Auch bei meinem Mann war es so. Er gab dann mir die Schuld, dem Cello oder dem Computer. Vor der Krankheit war er nie aggressiv. Wenn er so aufbrausend reagierte, wurde ich manchmal auch wütend. Das ist normal, denke ich.
Die Umgebung, unser Umfeld, war auch ein Problem. Wenn mein Mann jemandem etwas erzählen wollte, aber den Faden verlor und stockte, dann schaute er mich an und ich wusste: Jetzt muss ich einspringen, ihm helfen, weitererfahren. Dann fielen die Leute über mich her: «Wieso fällst du ihm auch immer ins Wort, lass ihn doch ausreden!»
Das Unverständnis oder das Nicht-Eingeweiht-Sein des Umfeldes – auch der Familie – war manchmal sehr schwierig. Als ich keine Kraft mehr hatte und Jürg ins Alterszentrum Doldertal bringen musste, reagierten viele entsetzt: «Das ist doch nicht nötig!» Ihnen entgegnete ich jeweils: «Warst du mal eine Nacht lang bei Jürg? Hast du mal einen ganzen Tag miterlebt?»
Solche Bemerkungen konnte ich kaum mehr ertragen. Deshalb habe ich mich mehr und mehr zurückgezogen. Das Unverständnis meinem Mann gegenüber, seiner Krankheit, der Alzheimerkrankheit generell – das war schon sehr belastend.