Ich persönlich habe niemanden mit Demenz in der Verwandtschaft. Aber den Lebenspartner oder den Vater als Persönlichkeit an die Demenz zu verlieren, muss etwas vom Schlimmsten sein. Denn man muss einen Rollenwechsel machen: Plötzlich muss man für den Vater oder den Partner entscheiden und den Eintritt in ein Zentrum planen, wobei man genau weiss, dass die Person das gar nicht will und auch nicht einsieht, dass es nötig ist.
Die Pflege zu Hause ist ein 24-Stunden-Job. Wir hier im Alterzentrum Doldertal können nach 8,24 Stunden nach Hause gehen. Angehörige müssen 365 Tage im Jahr diese Arbeit leisten – das ist gigantisch, menschlich fast gar nicht machbar. Darum rate ich immer: Holen Sie sich Hilfe, wo Sie können. Lassen Sie sich beraten. Gehen Sie in Gruppen, wo Sie sich mit Menschen in der gleichen Situation austauschen können. Das ist immer am besten.
Meistens ist die Grenze dann erreicht, wenn die Nachtruhe gestört ist: Wenn also jemand anfängt, nachts herumzulaufen, die ganze Wohnung auf den Kopf stellt, in der Küche kocht, gefährliche Dinge tut. Oder wenn jemand allein lebt – das gibt es ja viel, sei es in einer Wohnung oder im eigenen Haus – und nachts, wenn er sich topfit fühlt, die Nachbarn terrorisiert und bei allen klingelt.
Oder wenn es gefährlich wird in einer Mietwohnung, wenn jemand Zeitungen auf den Herd legt und ihn anstellt, also Brandgefahr entsteht und so etwas. Dann ist der Moment gekommen, wo jemand das Zuhause verlassen muss.